Die letzten neunzig Minuten
Auf dem Turnierplatz wird kein Glanz erzeugt, er wird nur noch abgerufen. Ein Zeitplan von der Ankunft bis zum Viereck, so wie Grand-Prix-Grooms ihn führen.
Wer einmal neben einem professionellen Groom gestanden hat, merkt schnell, dass in den letzten anderthalb Stunden vor der Prüfung erstaunlich wenig passiert. Kein Schrubben, kein Hetzen, keine Suche nach dem zweiten Handschuh. Die Arbeit war vorher. Was jetzt kommt, ist Reihenfolge.
Am Turniertag wird nichts mehr repariert. Es wird nur noch abgerufen.
Der Abend davor
Gewaschen wird am Vorabend, nicht am Morgen. Fell braucht Stunden, um vollständig durchzutrocknen, und ein Pferd, das feucht in die Decke geht, riecht am nächsten Tag danach. Weiße Abzeichen und Schweif werden am Abend gemacht und über Nacht geschützt, entweder mit einem Schweifschutz oder mit einer sauberen Box.
- Fell und Schweif waschen, Mähne nur anfeuchten und durchsortieren
- Weiße Beine reinigen und trocken einbandagieren
- Ausrüstung putzen und vollständig in die Kiste legen, in der Reihenfolge, in der du sie brauchst
- Hufe auskratzen, aber noch nicht ölen
T minus 90: Ankunft
Das Pferd steht, trinkt, sieht sich um. In dieser Zeit machst du nichts am Pferd. Du gehst den Weg zum Abreiteplatz ab, prüfst, wo die Meldestelle ist, und stellst die Kiste dorthin, wo du sie ohne Umweg erreichst. Ein Pferd, das ankommt und sofort bearbeitet wird, ist am Start unruhiger als eines, das zwanzig Minuten Ruhe hatte.
T minus 70: das Grundbild
Jetzt die trockene Arbeit: Striegel im Kreis, harte Bürste in Fellrichtung, weiche Bürste zum Abschluss, immer von vorn nach hinten. Der Staub, der dabei hochkommt, ist der Grund, warum diese Reihenfolge nicht getauscht wird. Wer zuerst poliert und dann striegelt, fängt zweimal an.
Danach das Gesicht: ein feuchter Schwamm, Augen und Nüstern, und je ein eigener Lappen für jede der beiden Stellen. Das ist keine Kosmetik, das ist Hygiene.
T minus 50: Zöpfe
Zöpfe brauchen genau so viel Zeit, wie du geübt hast. Wer sie zum ersten Mal am Turnier macht, braucht doppelt so lange und ist danach nervös. Deshalb üben Grooms sie im Stall, an einem Dienstagabend, wenn nichts davon abhängt. Angefeuchtetes Haar liegt besser, zu nasses rutscht.
T minus 30: Ausrüstung
Satteln, Trense, Bandagen oder Gamaschen. Alles, was schwarz ist, wird jetzt ein letztes Mal abgewischt, alles, was weiß ist, kommt erst so spät wie möglich ans Pferd. Eine weiße Schabracke, die schon eine halbe Stunde vor dem Start aufliegt, hat garantiert eine Grasspur.
T minus 15: Glanz
Der letzte Schritt ist der kürzeste. Ein Tuch mit einem Tropfen Glanzmittel über Hals, Schulter und Kruppe, niemals unter den Sattel und niemals unter den Gurt. Huföl dünn, in Wuchsrichtung, und danach das Pferd ein paar Schritte gehen lassen, damit nichts an der eigenen Einstreu kleben bleibt. Wer Huföl zehn Minuten vor dem Start aufträgt, nimmt den halben Stall mit ins Viereck.
Glanzmittel gehört auf das, was der Richter sieht, und niemals dorthin, wo dein Bein liegt.
T minus 5: der letzte Blick
Einmal um das Pferd herum, in dieser Reihenfolge: Hufe sauber, Gurt nachgezogen, Zöpfe vollständig, Trensenriemen gleich lang, Schweif frei, keine Halme im Schweif. Dann die Hand kurz auf den Hals und weg. Alles, was dir jetzt noch auffällt, notierst du für das nächste Mal. Verändert wird nichts mehr.
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