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Waschen ist ein Eingriff

PflegeWaschen ist ein Eingriff

Jede Wäsche nimmt dem Fell etwas weg, das es selbst gebaut hat. Wann sie sich lohnt, wie sie richtig läuft und warum das Abziehmesser wichtiger ist als das Shampoo.

Fell ist kein Stoff, sondern ein System. Talgdrüsen legen einen dünnen Film über jedes Haar, der Wasser abweist, Schmutz gleiten lässt und für den Glanz sorgt, den alle aus der Flasche kaufen wollen. Shampoo hat genau eine Aufgabe: diesen Film zu lösen. Das ist manchmal nötig und selten so oft, wie es passiert.

Ein Pferd, das nach jedem Ritt geduscht wird, ist nicht sauberer. Es ist nur ärmer.

Wann eine Wäsche wirklich hilft

Alles andere erledigt trockenes Putzen besser. Ein Pferd, das täglich zwanzig Minuten ordentlich gestriegelt und gebürstet wird, glänzt mehr als eines, das wöchentlich shampooniert wird.

Die Reihenfolge

Erst gründlich trocken putzen. Wer Staub nass macht, verteilt Schlamm. Dann mit lauwarmem Wasser von unten nach oben anfeuchten, damit das Pferd nicht erschrickt, zuletzt Hals und Rücken. Shampoo im Eimer verdünnen, mit einem Schwamm oder einem Waschhandschuh auftragen, in Fellrichtung. Danach ausspülen, und dann noch einmal, denn die meisten stumpfen Felle sind nicht falsch gewaschen, sondern schlecht gespült.

Der wichtigste Schritt kommt danach: das Abziehmesser. Wasser, das im Fell bleibt, kühlt aus und trocknet stundenlang. Wer gründlich abzieht und danach ein paar Minuten führt, hat ein Pferd, das nach zwanzig Minuten trocken ist statt nach zwei Stunden.

Keine Wäsche bei Wind oder unter fünfzehn Grad ohne Möglichkeit, das Pferd anschließend abzudecken und zu bewegen. Ein nasses Pferd in der Zugluft ist der klassische Weg zu einem verspannten Rücken.

Was in ein gutes Shampoo gehört

Milde Tenside, ein pH-Wert, der zur Pferdehaut passt, und wenig sonst. Pferdehaut ist weniger sauer als menschliche, ein Duschgel aus dem Bad ist deshalb die falsche Wahl. Silikone legen einen Glanzfilm auf das Haar, der beim nächsten Regen als Grauschleier zurückkommt. Wer es ohne sie schafft, hat länger etwas davon.

Weiße Beine

Für helle Abzeichen gilt eine eigene Regel: waschen, trocknen, und dann trocken bandagieren. Ein sauberes weißes Bein, das nachts in der Box wieder im Mist steht, war umsonst gewaschen. Bläuungsshampoos wirken optisch, gehören aber wirklich nur auf den letzten Abend vor einer Prüfung und nie unverdünnt auf die Haut.

Glanz entsteht nicht im Wascheimer. Er entsteht in den fünf Minuten danach.

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