Weiß ist eine Entscheidung, keine Farbe
Wer einen Schimmel besitzt, kennt den grünen Fleck an der Hüfte. Über Flecken, Blaushampoo und die Frage, wie viel Weiß ein Pferd verträgt.
Ein Schimmel ist ein Pferd, das sich hinlegt, wo es am schmutzigsten ist. Das ist kein Zufall, sondern die Kombination aus heller Fläche und Pferdelogik: Was uns auffällt, interessiert das Pferd nicht. Wer damit leben will, braucht ein System statt einer Panik am Turniermorgen.
Die drei Arten von Flecken
Grün ist Gras und Mist und sitzt im Haar. Gelb ist Urin oder Schweiß und sitzt am Haaransatz. Grau ist Staub und sitzt überall. Nur der erste Fleck braucht Wasser. Der zweite braucht Zeit und ein mildes Mittel, der dritte braucht nichts als eine Bürste.
Neun von zehn Flecken verschwinden trocken, wenn man ihnen zwei Tage gibt.
Das ist der Grund, warum professionelle Grooms Schimmel nicht am Turniertag behandeln, sondern zwei Tage vorher. Ein frischer grüner Fleck lässt sich fast immer auswaschen, ein zwei Wochen alter ist im Haar verankert.
Blaushampoo, richtig verstanden
Blaushampoo bleicht nicht. Es legt einen minimalen violetten Ton auf das Haar, der den Gelbstich optisch neutralisiert, weil Violett auf dem Farbkreis gegenüber von Gelb liegt. Es ist also Kosmetik, keine Reinigung. Daraus folgt alles Weitere:
- Immer verdünnen, sonst bleibt das Pferd stellenweise lila.
- Kurz einwirken lassen, eine Minute reicht meist, und gleichmäßig arbeiten.
- Nicht auf trockenes Fell auftragen, sondern auf nasses.
- Nicht öfter als nötig. Häufiger Einsatz trocknet das Haar aus und macht es stumpf.
Der Abend davor
Ein Schimmel wird am Vorabend gewaschen, gründlich abgezogen, trocken geführt und dann eingedeckt, mit einer sauberen Decke. Wer den Aufwand betreibt und das Pferd danach in eine ungemistete Box stellt, kann sich den Abend sparen. Die Box wird vor dem Waschen frisch gemacht, nicht danach.
Die Ehrlichkeit zum Schluss
Ein Schimmel im Alltag sieht nicht aus wie ein Schimmel im Katalog, und das ist in Ordnung. Wer versucht, das ganze Jahr Turnierweiß zu halten, wäscht so oft, dass die Haut leidet. Der bessere Weg ist, das Fell in gutem Zustand zu halten und den Aufwand auf die Tage zu legen, an denen jemand hinsieht.
Mehr aus dem Journal
Sie ist das Erste, was ein Richter sieht, und das Letzte, was nachwächst. Warum die meisten Mähnen nicht an schlechten Produkten s…
Auf dem Turnierplatz wird kein Glanz erzeugt, er wird nur noch abgerufen. Ein Zeitplan von der Ankunft bis zum Viereck, so wie Gra…
Der Fellwechsel ist kein Ärgernis, sondern eine Leistung. Was im Pferd dabei passiert, warum das Licht ihn auslöst und wie man aus…