Beim Springpferd pflegst du die Haut, nicht das Fell
Gamaschen und Hufglocken sitzen stundenlang auf derselben Stelle. Warum beim Springpferd die Haut unter der Ausrüstung das Pflegethema ist und wie du sie täglich prüfst.
Ein Springpferd ist das Pferd mit der meisten Ausrüstung an den Beinen. Gamaschen vorn, Streichkappen hinten, Hufglocken dazu, und das oft vom Abreiten bis nach der Siegerehrung. Unter all dem liegt Haut, und Haut mag weder Wärme noch Reibung noch Nässe, die nicht weggeht.
Das Fell eines Springpferds macht keine Probleme. Die Haut unter den Gamaschen macht sie.
Was unter der Gamasche passiert
Eine geschlossene Gamasche ist eine kleine Sauna. Sie hält Wärme, und sie hält Schweiß, der nicht abtrocknen kann. Dazu kommt der Sand, der zwischen Schale und Bein gerät und bei jedem Schritt scheuert. Nach zwei Stunden ist das nichts. Nach zwei Stunden täglich über zwei Wochen ist es etwas.
- Gamaschen nach dem Parcours als Erstes abnehmen, vor dem Sattel.
- Schale und Futter nach jedem Einsatz auswischen, sonst bleibt der Sand darin.
- Beine abspritzen und danach wirklich trocknen. Handtuch und Luft, nicht Wasser allein.
- Die Hufglocke umdrehen und mit der Hand am Rand entlangfühlen.
- Zwei Sätze Gamaschen im Wechsel halten. Einer ist nie trocken.
Abspritzen ist die Hälfte, Trocknen die andere
Kaltes Wasser nach dem Parcours ist richtig. Es nimmt Wärme aus den Beinen und spült den Sand heraus. Falsch wird es, wenn das Bein nass bleibt. Ein feuchtes Röhrbein unter einer Stallbandage, eine feuchte Fesselbeuge über Nacht in der Einstreu: Das sind die beiden Stellen, an denen aus Pflege ein Problem wird. Arbeite von unten nach oben, streif das Wasser mit der Hand ab und fahr mit einem Handtuch durch die Fesselbeuge, bis sie sich trocken anfühlt.
Der tägliche Blick auf Röhrbein und Fesselbeuge
Es kostet dreißig Sekunden pro Bein und ist die einzige Pflege, die sich durch nichts ersetzen lässt. Mit der flachen Hand das Röhrbein von Knie bis Fessel abfahren, beide Vorderbeine im Vergleich, dann die Hinterbeine. Danach die Fesselbeuge aufklappen und ansehen, nicht nur betasten. Dort sitzt das Fell am dichtesten, dort trocknet es am schlechtesten, und dort fängt im Winter alles an.
Hufglocken und die Stelle, die niemand ansieht
Hufglocken sind dafür da, dass sich das Pferd bei der Landung nicht selbst auf den Ballen tritt. Diesen Job erledigen sie gut und scheuern dafür genau dort, wo ihr Rand aufliegt. Dreh die Glocke nach dem Absatteln einmal um und sieh dir den Ballen an. Eine kahle Linie am Kronrand sagt, dass die Glocke zu groß oder zu steif ist. Eine offene Stelle ist keine Pflegefrage mehr.
Ein Springpferd wird nicht an seinem Glanz gemessen, sondern daran, ob es am Sonntag noch dieselben Beine hat wie am Freitag.
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